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Filmkritik: Mr. Bean’s Holiday (Mr. Bean macht Ferien)

abgelegt unter: Film von Enk am 11.08.2007


“Relax… I think he is English”

Rowan Atkinsons ist jetzt schon seit 18 Jahren als “Mr. Bean” in Fernsehen und Kino unterwegs. Die simple Idee, als steifer, leicht debiler Engländer gegen die Tücken des Alltags zu kämpfen, angereichert mit viel Slapstick und Grimassenschneiden, hat lange Zeit vor allem dadurch fasziniert, dass sie fast ohne Übersetzung (weil fast ohne Text) auskam. Mittlerweile wirkt die nicht gerade facettenreiche Figur allerdings arg angestaubt, so dass man Mr. Bean für den aktuellen Kinofilm ein neues Setting verpasst hat: ein Engländer in Frankreich, das ist alleine schon genug fish-out-of-water Komödienpotential.

Bean gewinnt bei der Kirchenlotterie eine Reise nach Cannes, und dazu noch eine Videokamera, das führt zum optisch ganz netten Trick, Bean’s Erlebnisse immer wieder per Kamera aus seiner Perspektive zu zeigen. Auf der Reise bekommt er als Sidekick einen kleinen russischen Jungen an die Hand, den er im Zug kennenlernt. Da der Junge weder englisch kann noch Mr. Bean französisch oder russisch, kommt der Film Bean-typisch weitgehend ohne Dialoge aus, bzw. die Dialoge beschränken sich auf das übliche Murmeln.

Der Film besteht erwartungsgemäß aus viel Slapstick verbunden mit jeder Menge Frankreich-Klischees, was in Summe zu ziemlich vielen vorhersehbaren Gags führt. Natürlich kommt eine Szene im französischen Spezialitätenrestaurant vor: Engländer kämpft mit Austern und Langusten und dem snobistischen Kellner (Jean Rochefort). Natürlich ist in Cannes gerade Filmfestival, und natürlich gibts auch eine “Männer in Frauenkleidern” Szene. Speaking of Klischees: In einer englischen Komödie dürfen selbstverständlich auch Nazis nicht fehlen, Bean gerät in einen Filmdreh und wird als Komparse in eine Wehrmachtsuniform gesteckt, wo er Hitlergruß und Stechschritt übt. Muss gestehen, dass das eine der wenigen Stellen war, wo ich gelacht habe. Das ganze wirkt wie eine Nummernrevue von mehr, aber meistens eher minder lustigen Bean-Einlagen, die lose durch eine Rahmenhandlung verbunden sind. Das ist größtenteils aber so unlustig, das sich die wenigen Lacher an einer Hand abzählen lassen. Kein Vergleich zur früheren Serie, die in 20 Minuten mehr gute Szenen hatte als dieser Kinofilm. Eines der wenigen Highlights ist der pseudo-intellektuelle Kinofilm, den ein ambitionierter Regisseur (Willem Dafoe) auf dem Festival in Cannes präsentiert (und den Bean durch seine eigenen Videoaufnahmen “aufwertet”). Man merkt, das die Macher viel Spaß gehabt haben am Drehen der pseudotiefsinnigen, mit pathetischer Off-Stimme unterlegten Szenen.

Insgesamt aber ist Mr. Bean’s Holiday eine ziemliche Enttäuschung. Wer immer noch meint, deutsche Komödien a la Otto oder Schuh des Manitu wären um Längen schlechter als der tolle britische Filmhumor, der sollte sich dringend mal diesen Film anschauen, das Niveau ist auch nicht höher als beim grottigen “7 Zwerge”. Rowan Atkinson reitet seine Kultfigur langsam aber sicher zu Tode. Schade.

Mr. Bean’s Holiday (Mr. Bean macht Ferien), Großbritannien 2007 - deutscher Kinostart: 29.03.2007
3 Punkte


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