Filmkritik: Black Snake Moan
Eines muss man Justin Timberlake lassen - auch wenn man seine Musik nicht mag muss man feststellen, dass er es vom Boygroup-Star zu einem halbwegs angesehenen Künstler geschafft hat. Auch bei seiner Filmkarriere zeigt eine interessante Projektauswahl - sei es als Synchronsprecher für Shrek 3 oder als Nebenrolle im Arthouse-Streifen Black Snake Moan. Erwartet hätte man eher eine standard romantic comedy, die einfacher Geld und Publicity bringt. Und er macht seine Sache gar nicht mal schlecht, auch wenn die Rolle als wortkarger Army-Rekrut mit stoischem Blick nicht gerade oscarverdächtige Qualitäten verlangt.
Black Snake Moan erzählt die Geschichte Lazarus (Samuel L. Jackson), einem alternden Farmer und Bluessänger, dessen Frau mit seinem Bruder durchgebrannt ist und der seinen Frust in Alkohol ertränkt. Auf der anderen Seite ist Rae (Christina Ricci), eine sexsüchtige white trash Göre, deren Freund Ronnie (Justin Timberlake) gerade von der Army nach Übersee geschickt wurde. Als Rae von einem Bekannten beinahe vergewaltigt, zusammengeschlagen und aus dem Auto geworfen wird, findet Lazarus sie halbtot am Straßenrand. Der gottesfürchtige Mann will die stadtbekannte Nymphe auf den Pfad der Tugend zurückbringen und kettet sie bei sich zuhause an, um sie vor sich selbst zu beschützen.
Die ungewöhnliche Kombination “alter gottesfürchtiger Schwarzer” und “junge verdorbene Weiße” trägt den Rest des Filmes. Das Setting, das auch vom Filmplakat mit einer angeketten halbnackten Christina Ricci transportiert wird, läßt eine Pulp Fiction artige sex & crime Story vermuten. Regisseur Craig Brewer verzichtet aber auf Effekthascherei, ausufernde Gewalt oder allzu dramatische Wendungen, sondern konzentriert sich ganz auf seine beiden Hauptdarsteller und die Entwicklung ihrer Beziehung. An vielen Stellen wartet man geradezu darauf, dass die Story umkippt in eine Gewaltorgie, etwa wenn Raes Freund Ronny aus der Army zurückkehrt und mit gezücktem Revolver Rae und Lazarus überrascht, oder wenn Rae umringt von lüstern blickenden Männern ausgelassen in der Blueskneipe tanzt. Aber gerade der Verzicht auf überraschende Storybrüche fordert die Sehgewohnheiten der Zuschauers heraus, die von allzuvielen Tarantino-Filmen geprägt sind. Ins Gesamtbild passt das versöhnliche Ende der Geschichte, das ein klebriges Happy End vermeidet, aber dennoch die Entwicklung der Figuren zu einem stimmigen Ende führt.
Der Soundtrack ist storygerecht ganz auf Blues eingestellt, dabei darf Samuel L. Jackson auch selber zum Mikro greifen. Insgesamt ein stilles aber sehenswertes Südstaaten-Drama mit ungewöhnlicher Konstellation und guter Besetzung.
update: War ja klar, dass einige Medien sich voll auf die in Ketten gelegte halbnackte Christina Ricci stürzen - da titelt die Welt doch glatt “Fessel-Sado-Sex mit Christina Ricci” - was dem Film nun so gar nicht gerecht wird.
Black Snake Moan, USA 2007 - deutscher Kinostart: 05.07.2007










Die Poster haben mich schon Neugierig gemacht auf den Film. Wer kann einer angekettenden Christina Ricci schon wiederstehen?