Filmkritik: Vollidiot

Oliver Pocher hat mit Paris Hilton gemeinsam, dass keiner so genau weiss, was er eigentlich macht, aber jeder ihn kennt. Seine eigenen Shows waren nur mäßig erfolgreich, richtig bekannt wurde er eher als “Wetten Dass”-Außenreporter, ständiger Gast bei Raab & Co., und natürlich durch seine penetrante Mediamarkt Werbung (die übrigens durchaus ihre Höhepunkte hatte, z.B. der WM-Spot, in dem Pocher den Weltmeisterpokal in einen holländischen Wohnwagen hält und in Rudi Carell Manier “das wäre Ihr Preis gewesen” ausruft).
Und nun also Schauspieler. Die Geschichte ist als Buch seit einiger Zeit in den Bestsellerlisten: Tommy Jauds “Vollidiot” macht da weiter, wo Stuckrad-Barre mit Soloalbum vor fast zehn Jahren als Popliterat angefangen hat. Neue deutsche Beziehungskomödie, Popcorn-Literatur , nichts wirklich neues oder aufregendes. Und genauso fühlt sich der Film auch an. Irgendwie hat man das alles bei Popliteraturverfilmungen wie Soloalbum, Liegen Lernen oder Herr Lehmann schon gesehen: Simon geht auf die Dreissig zu, ist vor einem Jahr von seiner Freundin verlassen worden, und nun als frustrierter Single auf Beziehungssuche. Sein Job als Telefonverkäufer deprimiert ihn, der Gerichtsvollzieher droht mit Zwangsvollstreckung, und das einzige was ihn noch aufrecht hält ist, dass sein übergewichtiger Freund Flik noch weniger Chancen bei Frauen hat als er. Das Blatt scheint sich zu wenden, als er in einem Coffeeshop seine vermeintliche Traumfrau Marcia entdeckt. Doch jetzt beginnen die Probleme erst: wie kann er Marcia dazu bringen, ihn zu heiraten, mit ihm zahlreiche Kinder zu zeugen, und vor allem: ihn erstmal überhaupt zu bemerken…
Toby Baumann, der schon mit “Der Wixxer” gezeigt hat, dass er an den Kinokassen erfolgreiche Komödien drehen kann, schafft es, dem nicht gerade brandneuen Komödiensetting ein paar neue Ideen einzuhauchen. Ganz witzig z.B. die fiktiven n-tv-Nachrichten, die immer mal wieder hochoffizielles vermelden wie “Simon denkt für ein paar Sekunden nicht an sich”.
Andere Szenen wirken dann leider wieder ziemlich angestaubt: Witze über Pärchen bei Ikea oder Bestellorgien bei Starbucks hat Harald Schmidt schon vor zehn Jahren gemacht, vor fünf Jahren waren sie bei Thomas Hermanns schon nicht mehr lustig, aber mittlerweile, nachdem jeder Nachwuchscomedian diese Szenen schon mal in seinem Bühnenprogramm hatte, geht das gar nicht mehr. Ärgerlich auch das dreiste Product Placement - und zwar gar nicht mal die zur Geschichte gehörende Ikea-Dauereinblendung oder den echten Pocher-Mediamarkt-Spot, der einmal im Hintergrund im Fernsehen läuft. Aber dass Heineken, Easyjet und Co. das Produktionsbudget unterstützt haben, konnte man nicht erst im Abspann erkennen. Okay, bei James Bond ist das noch viel direkter, aber abgesehen davon dass es da schon wieder so professionell gemacht wird, dass es dazugehört, läßt sich James Bond auch nicht noch gleichzeitig von der deutschen Filmförderung sponsern.
Wie bei deutschen Komödien üblich wimmelt es von Gaststars und Cameos (Enttäuschend unlustig: Anke Engelke und Herbert Feuerstein), die Gagdichte ist hoch und - wenn man sich am Brachialhumor a la Pocher - nicht stört, ist das ganze durchaus unterhaltsam.
Vollidiot, Deutschland 2007 - Kinostart: 12.04.2007








