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Filmkritik: Maria, ihm schmeckts nicht

abgelegt unter: Film von Enk am 09.02.2010

“Ich liebe Italien!”

Der deutsche Jan (Christian Ulmen) und die Deutsch-Italienerin Sara (Mina Tander) wollen heiraten. Saras resoluter Vater Antonio (Lino Banfi) besteht darauf, dass die Hochzeit im italienischen Heimatdorf der Familie stattfindet, und sich das Paar zur Vorbereitung zwei Wochen bei der italienischen Großfamilie einquartiert. Was folgt ist ein par-force Ritt durch sämtliche deutsch-italienischen Klischees die es so gibt. Es bekommt jeder sein Fett weg: Die vermeintlich weltoffenen Toskana-Deutschen, die die Italiener so “spontan” finden aber selber ein Ausbund von Spießigkeit sind. Die Italiener, die über die Effizienz der deutschen Maschinenmenschen spotten aber daran verzweifeln, dass in ihrem eigenen Land nichts funktioniert. Neben vordergründigen Klischees und Platitüden über deutsche Spießigkeit, italienische Schlamperei, verfeindete Dorfcliquen und kultureller Mißverständnisse greift der Film durchaus differenziert das komplexe Verhältnis zwischen Deutschen und Italienern auf. Gerade in den Rückblenden, in denen das Leben des Vaters als italienischer Gastarbeiter im Nachkriegsdeutschland pointiert nachgezeichnet wird, bekommen die Figuren etwas mehr Tiefe, auch wenn die Rückblenden selbst eher plakativ von Ausländerfeindlichkeit und Ausgrenzung handeln.

Die schauspielerische Leistung ist durchwachsen. Christian Ulmen ist wie immer sehr sympathisch, spielt hier aber wie so oft nur seine Standardrolle: die des netten leicht trotteligen Typen von nebenan mit Dreitagebart und fettigen Haaren. Also der gleiche Ulmen, den man auch aus Fernsehshows und Interviews kennt. Seine Partnerin Mina Tander ist hübsch anzusehen, bleibt aber eher blass in ihrer Rolle. Die übrigen Figuren, sowohl die italienischen Dorfbewohner als auch die deutschen Studienräte, kommen über die Bedienung von Klischeerollen (biederer Professor, herzliche italienische Mama, gegelter italienischer Schönling) nicht hinaus, auch Maren Kroymann als Ehefrau von Vater Antonio ragt hier kaum heraus. Die Rolle des Antonio gewinnt zwar mit der Zeit eine überraschende Tiefe, aber so ganz nimmt man Lino Banfi den Spagat zwischen Trotteligkeit, Bauernschläue und philosophischer Weisheit nicht ab.

Die Verfilmung des halb-autobiografischen Bestsellers von Jan Weiler, der auch selbst eine kleine Statistenrolle spielt, kann sich leider nicht so richtig entscheiden, ob sie lustige Komödie oder gesellschaftskritisches Statement sein will. Das ganze wirkt ein wenig halbgar, für eine Komödie ist die Story schlicht nicht lustig genug, für ernsthaftere Ambitionen fehlt der notwendige Tiefgang. Über weite Strecken plätschert der Film eher seicht vor sich hin und zieht sich in die Länge.

Maria, ihm schmeckts nicht, Deutchland, Italien 2009 - deutscher Kinostart: 06.08.2009
4 Punkte


Filmkritik: Up in the Air

abgelegt unter: Film von Enk am 04.02.2010

“You get lifetime executive status”

Die bisher gesichteten Oscar-Kandidaten für den besten Film kommen im Schnitt nur auf 6,2 Punkte. Nicht gerade ein überragendes Feld, allerdings ziehen die Coens den Schnitt deutlich nach unten. Jason Reitmans Up in the Air ist in insgesamt sechs Kategorien nominiert, neben Bester Film und Bestes Adaptiertes Drehbuch sind auch alle drei Hauptdarsteller nominiert, was ja schon einmal sehr vielversprechend klingt.

Ryan Bingham (George Clooney) hat einen ungewöhnlichen Job: Er arbeitet in einer Outplacement-Beratung und verdient sein Geld damit, Leuten zu kündigen. Der Wirtschaftskrise ist es zu verdanken, dass seine Branche boomt, und so reist durch das krisengeschüttelte Amerika zu desolaten Firmen in heruntergekommenen Industriegebieten, die in beklemmender Büroatmosphäre am Fließband ihren Mitarbeitern kündigen. Beziehungsweise kündigen lassen, weil die Chefs nicht die Courage aufbringen, diesen schmutzigen Job selber zu machen und die Aufgabe lieber an die Binghams Firma outsourcen.

Über weite Strecken nimmt die Kamera Binghams Position ein, der Zuschauer ist live dabei, wenn den Menschen unvermittelt eröffnet wird, dass sie ihren Job verlieren. Überraschung, Entsetzen und Wut der Betroffenen wirken beklemmend echt, was wohl auch daran liegt, dass für die authentischen Kündigungsszenen angeblich Leute gecastet wurden, denen tatsächlich kurz vorher gekündigt worden ist.

Die deprimierende Welt der Jobverluste und Firmenpleiten ist aber nur ein Motiv des Films. Auf der anderen Seite tauchen wir in die glitzernde Business-Welt des Vielfliegers Ryan Bingham ein. Er verbringt die meiste Zeit des Jahres unterwegs zwischen Omaha, Des Moines oder Detroit. Während normale Menschen sich auf Flughäfen, bei Sicherheitskontrollen oder in anonymen Hotelzimmern unwohl fühlen, sind diese Orte Ryans Zuhause geworden. Sein größtes Ziel ist es, zehn Millionen Bonusmeilen zu erreichen und damit den Topstatus seines Vielfliegerprogramms. Mit seinen artverwandten Frequent Travellern tauscht er sich leidenschaftlich über die Vor- und Nachteile von Loyalty-Programmen, Mietwagenfirmen und Umsteigeverbindungen aus. In Alex (Vera Farmiga) findet Ryan eine Seelenverwandte, die wie er keine festen Bindungen will, sondern lieber zwischen zwei Flügen in der Flughafenlounge unkomplizierten Sex sucht. In seiner Freizeit verdingt er sich als Motivationstrainer, dessen Botschaft es ist, möglichst allen Ballast über Bord zu werfen, seien es Gegenstände oder Beziehungen, um leicht und unbelastet durchs Leben reisen zu können (”moving is living”).

Der Vielfliegerwelt des Spesenritters Ryan droht allerdings ein jähes Ende, als seine Firma beschließt, die Outplacement-Gespräche zukünftig per Videokonferenz durchzuführen, statt durch teure Vor-Ort-Präsenz. Die junge Nachwuchskollegin Natalie hat hierfür ein Konzept erarbeitet, zunächst soll sie aber an der Seite von Ryan Praxiserfahrung im Outplacement Geschäft sammeln.

Clooney spielt den zynischen aber charmanten Meilensammler ganz hervorragend. Er schafft die Gratwanderung, dieser eigentlich kalten und herzlosen Figur mit anrüchtigem Job und Bindungsunfähigkeit Wärme und Sympathie einzuhauchen. Etwas schwach ist die Rolle seiner jungen Kollegin Natalie (Anna Kendrick), was nicht primär an der Besetzung liegt, sondern vor allem am Drehbuch: zu naiv und unsouverän wirkt die Nachwuchskraft, ein größeres Gegengewicht zum alles überragenden Clooney hätte der Story gutgetan. Viel besser harmoniert Vera Farminga als ebenbürtige Vielfliegerin Alex - Die Flirt-Szenen zwischen Clooney und Farminga wirken sehr erwachsen und unprätentios. Jedes Klischee, das in der Beziehung der beiden anklingt, wird auch gleich als solches enttarnt. Die Atmosphäre des Corporate America zwischen Kettenhotels, Flughafenlobbies und Firmenparties wird sehr authentisch in Szene gesetzt.

Zur Mitte droht die Geschichte abzugleiten in ein sehr vorhersehbares Klischee-Happy-End, wenn Ryan zur Hochzeit seiner Schwester die Welt der Hilton-Hotels und Lounges verlässt, um ins tiefste Wisconsin zu reisen (und dort festzustellen, dass er im lokalen Swiss Chalet Hotel leider nicht den Matterhorn-Status für bevorzugten Check-In besitzt). Ryan wandelt auf den Spuren seiner Provinzherkunft, spricht mit echten Menschen, die reale Probleme haben, und beginnt, seine zynische Vielflieger-Existenz zu hinterfragen. Glücklicherweise spult Reitman die drohende Kitsch-Auflösung dann doch nicht so vorhersehbar ab und entscheidet sich für eine intelligentere Fortführung der Geschichte.

Jason Reitman hat sich mit intelligenten Komödien etabliert, die auch sperrige Themen aufgreifen, und nicht ganz so harmlos daherkommen wie Vaters “Ghostbusters” (Vater Ivan hat allerdings auch bei Up in the Air mitproduziert). Auch Sohn Jason macht sehr mainstream-kompatible Filme, nimmt als Aufhänger aber gerne mal gesellschaftliche Aufreger, seien es Teenie-Schwangerschaften wie in Juno, oder Kündigungswellen wie im aktuellen Up in the Air. Dass Reitman Jr. diese Themen tatsächlich nur als Aufhänger für eine fluffige Geschichte nimmt, und nicht ernsthaft etwas über den Zustand der amerikanischen Gesellschaft zu erzählen hat, keine wirkliche sozialkritische Botschaft oder ambitionierte Statements zur Lage der Nation verbreiten will, kann man kritisieren. Man die Leichtigkeit aber auch bewundern, mit der Reitman aus solchen Stoffen statt tonnenschwerer Dramen gut gemachte und intelligente Unterhaltung produziert.

Einen Bonuspunkt gibt es für das überraschend klischeefreie Ende, das nicht den zwischenzeitlich stark zu befürchtenden Happy-End-08/15 Verlauf nimmt. Und einen weiteren Bonuspunkt dafür, dass man sich die platte Pointe erspart hat, dass dem Profi-Kündiger irgendwann selbst gekündigt wird. Reicht für insgesamt neun Punkte und damit zum bislang besten Film aus dem diesjährigen Oscar-Feld. Den Award wird Up in the Air trotzdem nicht bekommen, dafür ist der Film schlicht zu leise und unspektakulär im Vergleich zum Blockbuster-Getöse von Avatar oder dem explosiven Kriegsgeschehen von The Hurt Locker.

Up in the Air, USA 2009 - deutscher Kinostart: 04.02.2010
9 Punkte


Filmkritik: A Serious Man

abgelegt unter: Film von Enk am 02.02.2010

(C) Focus Features

“The answer? Sure! We all want the answer! But Hashem doesn’t owe us the answer, Larry. Hashem doesn’t owe us anything. The obligation runs the other way.”

Der neue Film von Ethan und Joel Coen ist eine deutliche Abkehr vom letzten Werk Burn after Reading: Statt Starbesetzung mit Clooney, Pitt und Malkovitch ein eher unbekannter Cast. Statt leichtfüßiger Komödie eine trist-deprimierende Geschichte. Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg) ist ein College-Lehrer aus einer jüdischen Vorortsiedlung im Amerika der sechziger Jahre, dessen Leben langsam aus den Fugen gerät. Larry ist ein klassischer Loser: seine Frau will sich scheiden lassen, seine Kinder tanzen ihm auf der Nase herum, und an der Uni ist seine Karriere in Gefahr, weil er von einem Austauschstudenten erpresst wird. Warum gerade ihm soviel Unglück zustößt, läßt Larry keine Ruhe. Obwohl er als Physikdozent anhand von Schrödingers Katze und Heisenbergscher Unschärferelation seinen Studenten klar macht, dass es manchmal keine absoluten Wahrheiten gibt, sucht er für sein persönliches Schicksal klare Antworten und einleuchtende Erklärungen bei den Gemeinderabbis. Doch auch die verschiedenen Rabbis haben für ihn nicht mehr parat als sinnfreie Gleichnisse und hausfrauenpsychologische Weisheiten.

Die Coens lassen das jüdisches Kleinstadtamerika der sechziger Jahre in voller Blüte auf der Leinwand erscheinen: Jüdische Riten und Gebräuche, religiöse Verhaltensweisen und Fachtermini werden ungefiltert auf den Zuschauer losgelassen. Schon in der wirren Einführungssequenz wird minutenlang auf jiddisch parliert. Die Ausstattung des sechziger Jahre Kleinstadtamerikas wirkt sehr authentisch. Was leider auch für den nervigen Soundtrack gilt.

Dem Zuschauer geht es dabei allerdings wie Hauptdarsteller Larry - auf die Frage nach dem Warum und nach dem Sinn des Ganzen gibt es nur bedeutungsschwangere Andeutungen statt Antworten. Vermeintliche Parabeln über in Zähne eingravierte Botschaften Gottes oder ein irrelevanter Vorfilm verlieren sich im nichts. In gewisser Weise machen die Coens nichts anderes als die diversen Rabbis im Film, die mit scheinbar vielsagenden Gleichnissen und Parabeln darüber hinwegtäuschen wollen, dass sie auch keine Antwort auf die großen Fragen und den Sinn des Ganzen haben, außer der Platitüde, dass die eigenen Handlungen Konsequenzen haben, die Wege des Herrn ansonsten aber unergründlich sind.

In dieser Beziehung ist die Analogie zum atmosphärisch völlig entgegengesetzten Burn after Reading bemerkenswert - Was die beiden Filme gemeinsam haben, ist dass sich die Suche nach der tieferen Bedeutung und dem Sinn im Nichts verliert. Während diese Auflösung bei Burn after Reading aber eine witzige Pointe war, wirkt sie im schwermütigen A Serious Man eher wie die Lustlosigkeit der Coens, ihren skurrilen Geschichten einen stimmigen Rahmen zu geben. Statt mühseliger Konstruktion einer durchdachten Geschichte gefällt man sich lieber in der spleenigen Aneinanderreihung von schrägen Charakteren und skurrilen Nebenschauplätzen, und arbeitet ansonsten halbautobiographisch die eigene jüdisch geprägte Kindheit auf. Handwerklich ist das zwar sauber umgesetzt: Inszenierung und Kameraführung sind sehenswert, und es gelingen immer mal wieder sehr schöne Einstellungen. Aber die Coens begehen dabei die Todsünde des Filmeschaffens: den Zuschauer zu langweilen.

A Serious Man, USA 2009 - deutscher Kinostart: 21.1.2010
3 Punkte


Hier im Dschihadrevier

abgelegt unter: TV von Enk am 30.01.2010

Man muss Oliver Welke nicht mögen, aber was er mit der heute show im ZDF auf die Beine stellt, ist für deutsche Comedy erstaunlich lustig. Natürlich ist Welke nicht Jon Stewart, und in der Show gibts eine Menge Peinlichkeiten, vor allem die bei Switch eigentlich sehr gute Martina Hill macht hier eine eher unlustige Figur. Aber für deutsche Verhältnisse ist die Show überraschend professionell gemacht, und es gelingen mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder gute und bissige Pointen - wie z.b. gestern der Trailer für die neue Vorabendserie “Dschihadrevier“:


Wer das Original nicht kennt, klickt hier.


Filmkritik: Burn after Reading (Burn After Reading – Wer verbrennt sich hier die Finger?)

abgelegt unter: Film von Enk am 29.01.2010

(C) Focus Features

“Schätze, wir sollten es nicht wiederholen … wenn ich nur wüsste, was wir eigentlich getan haben”

Wenn man den Coen-Brüdern etwas nicht vorwerfen kann, dann mangelnde Abwechslung. Vom völlig überschätzten Slacker-Kultfilm The Big Lebowsky bis zum oscar-gekrönten epischen Meisterwerk No Country for Old Men haben sie schon so einige Genres durchgespielt. Mit Burn after Reading haben sie sich an einer Art Agenten-Krimi-Komödie versucht: Ozzie Cox (John Malkovitch) ein minder wichtiger CIA-Angestellter, verliert seinen Job und beschließt, seine Memoiren zu schreiben. Durch eine Verkettung von Zufällen gelangen die Fitness-Trainer Chad (Brad Pitt) und Linda (Frances McDormand) an eine Kopie und versuchen, die vermeintlich brisanten Daten zu Geld zu machen. Währenddessen vergnügt sich Cox Frau Katie (Tilda Swinton) mit dem Ex-Personenschützer Harry (George Clooney), der wiederum das Gefühl nicht los wird, beschattet zu werden.

Das bemerkenswerte an Burn after Reading ist sicher der Mut zur Häßlichkeit und die Bereitschaft, unsympathische Figuren zu verkörpern, was für ziemlich den gesamten hochkarätigen Cast gilt: Von George Clooney als bärtigen Frauenheld mit schlecht sitzender Jeans und bizarren Heimwerker-Ambitionen, über Tilda Swindon als kühl-intrigante Ehefrau, bis zu Frances McDormand als verhärmte Fitnesstrainerin mit dringendem Wunsch nach kosmetischer Chirurgie. Leider neigen fast alle Schauspieler dabei zu heftigem Over-Acting, ganz besonders Brad Pitt als leicht zurückgebliebener blondierter Fitness-Trainer überzieht seine Rolle ganz gehörig. Einzig John Malkovitch überzeugt in dem illustren Ensemble schauspielerisch wirklich.

Die Stimmung von Burn after Reading, in der leicht schräge Figuren eine wirre, nicht nach den üblichen Konventionen verlaufende Geschichte durchleben, erinnert ein wenig an das Coen Werk Fargo (in dem Frances McDormand auch schon eine Hauptrolle spielen durfte und dafür den Oscar bekam). Trotz kurzer 90 Minuten Spielzeit hat die überdrehte Agenten-Farce allerdings einige Längen. Es dauert eine ganze Zeit, bis die Sache in Bewegung kommt, und schon weit vor dem Ende ist abzusehen, in welche Richtung die Geschichte läuft. Auch wenn die Auflösung, in der sich buchstäblich alles auflöst, sehr charmant ist.

Burn after Reading (Burn After Reading – Wer verbrennt sich hier die Finger?), USA, Großbritannien, Frankreich 2008 - deutscher Kinostart: 2.10.2008
6 Punkte


Filmkritik: The Hurt Locker (Tödliches Kommando)

abgelegt unter: Film von Enk am 25.01.2010

“If he wasn’t an Insurgent he sure the hell is now”

Und wieder ein Film über den Irak-Krieg. Und wieder sieht der Film so aus, wie Kriegsfilme heute nun mal aussehen: unruhige Handkamera, hektisches Heranzoomen, Close-ups, Fake-Dokustil.

Regisseurin Kathryn Bigelow verzichtet auf langwierige Einführung und Storyaufbau, der Zuschauer wird gleich mitten in die Kampfzone in Bagdad geworfen und wird Zeuge einer Bombenentschärfung auf einer Hauptverkehrsstraße: Wir folgen den Einsätzen der Bravo Company, die im Irak als Kampfmittelräumdienst für Bombenentschärfung zuständig ist. Der erste Spezialist ist in einer Explosion gestorben, und der neue Bombenexperte Seagent James (Jeremy Renner) legt einen sehr unorthodoxen Arbeitsstil an den Tag. Er agiert nicht übervorsichtig und vorausschauend, wie es der Aufgabe entsprechen würde, sondern geht jedes Risiko ein und spielt mit seinem Leben und damit auch mit dem Leben seiner Kameraden. Und gerät damit zwangsläufig in Konflikt mit Seargent Sanborn (Anthony Mackie), der seine Truppe die letzten 40 Tage ihres Irak-Einsatzes unverwundet überstehen lassen will.

Bigelow läßt sich extrem viel Zeit für die Entwicklung ihrer Szenen, sei es beim Entschärfen einer Autobombe, während auf den Häuserdächern die Irakis zuschauen und mit der Videokamera mitfilmen, oder beim Scharfschützen-Duell in der staubigen Wüste. Die Stimmung ist ruhig und angespannt, und immer wieder lauert aus dem Hinterhalt der Tod, schlägt fast zufällig und beliebig zu. Das epische Erzähltempo führt zu über 130 Minuten Spielzeit, die aber bis zum Ende packend inszeniert sind. Erstaunlich, dass Bigelow aus dem eigentlich eher ausgenudelten Filmklischee “Bombenentschärfung”, das in jedem zweiten Actionstreifen der letzten Jahrzehnte vorkommt (”roter oder blauer Draht?”… “noch 5 Sekunden bis zur Detonation”), eine derartige Spannung ziehen kann. The Hurt Locker erzählt dabei keine wirkliche Geschichte, es gibt keine große Dramaturgie außer dem Countdown, der die Tage bis zum Ende des Irak-Einsatzes der Bravo-Kompanie zählt. Der Film wirkt eher wie ein beliebiger Ausschnitt aus dem Kriegsgeschehen, ein Monat live im Irak, unterlegt mit einem brachialen Soundtrack von Industrial Krachmachern Ministry.

Was einen (bösen) Kriegsfilm nun von einem (guten) Antikriegsfilm unterscheidet, ist seit jeher eine eher theoretische Diskussion: In beiden (Sub-)Genres sieht man grimmige Soldaten durch Wald oder Dschungel schleichen, überall explodierts und knallts, nur das beim Antikriegsfilm statt hurrapatriotischer Heldenverehrung desillusionierte Protagonisten das Geschehen bestimmen. Kathryn Bigelow bezieht erst gar keine Stellung zur Legitimation des US-Feldzuges, entzieht sich einer politischen Bewertung und zeigt schlicht das Kriegsgeschehen ohne Anfang und ohne Ende. Was dadurch alleine schon ein politisches Statement ist: Das ganze Geschehen im Irak wirkt sinnlos und ohne tiefergehende Mission oder Ziel: Die US-Truppen sind nicht die Beschützer, sondern werden von den Irakis mistrauisch beäugt. Die Irakis machen nicht den Eindruck, als wollten sie von den Amerikanern befreit werden. Ein sinnloser Krieg, was den desillusionierten Soldaten auch klar ist. Jeder will nur raus aus dieser feindlichen Umgebung. Nichts heldenhaftes oder glamouröses haftet dem Tun der Soldaten an, sondern nur sinnloses Töten und Sterben.

Wobei der Kern von Bigelows Film nicht das übliche platte “Krieg ist doof” ist, ganz im Gegenteil: Für den Protagonisten William James ist der Krieg das einzige, was seinem Leben einen Antrieb gibt, wenn auch nicht als heroisch-patriotische Heldenpflicht, sondern als schlichter Adrenalinkick: Am Ende steht der Protagonist, der im Irak über Leben und Tod in Sekundenbruchteilen entschieden hat, vor einem riesigen Supermarktregal voller verschiedener Cornflakes-Packugen und ist überfordert mit der Auswahl. Und wünscht sich konsequenterweise in den Krieg zurück, mit dem er deutlich besser klar kam.

Jeremy Renner verkörpert die undurchsichtige Figur des lebensmüden und kriegshungrigen William James großartig, auch die übrigen Rollen sind gut besetzt. Etwas verschenkt wirkt Ralf Fiennes mit einem überraschend kurzen Gastspiel als britischer Söldner. Bei den Golden Globes ging The Hurt Locker erstaunlicherweise leer aus. Man darf gespannt sein, ob Bigelow bei den Oscars gegen den alles überstrahlenden Blockbuster Avatar ihres Ex-Mannes James Cameron eine Chance hat. Verdient wäre es.

The Hurt Locker (Tödliches Kommando), USA 2008 - deutscher Kinostart: 13. August 2009.
8 Punkte


Filmkritik: Surrogates (Surrogates - Mein zweites Ich)

abgelegt unter: Film von Enk am 21.01.2010

(C) Touchstone Pictures

“I don’t want you to go out without your Surrie ever again”

Neben Avatar und Gamer ist mit Surrogates gleich der dritte Sci-Fi-Blockbuster am Start, der von Menschen handelt, die sich über ferngesteuerte Stellvertreter bewegen. Anders als Avatar spielt Surrogates aber nicht in einer fantastischen fremden Welt, sondern in nicht allzu ferner Zukunft auf der Erde: Im Jahr 2017 gehen die Menschen nicht mehr selber aus dem Haus, sondern steuern von zuhause aus einen menschenähnlichen Robotor, einen Surrogaten (oder für Freunde auch “Surry”), der für sie zur Arbeit geht. Der Surrogat ist die perfekte Version des eigenen Ichs: gutaussehend, robust und kräftig. Gesteuert werden die Surrogates durch eine Art Ganzkörperkonsole, mit deren Hilfe man über den Surrogaten lebensecht sehen, hören und fühlen kann. Die Welt von Surrogates wirkt dabei ein wenig wie ein Remake von I Robot, auch wenn Konzept und Story abweichen: Es wimmelt von Robotern und Androiden, und nie weiss man genau, wer jetzt echt ist und wer nicht. Neben menschlich perfekt aussehenden Surrogaten gibt es auch einfache Versionen, die tatsächlich aussehen, als wären sie aus dem Set von I Robot übriggeblieben.

Seit Aufkommen der Surrogaten ist die Verbrechensrate in der Gesellschaft drastisch zurückgegangen, vor allem Mord kommt kaum noch vor, da maximal “Sachschaden” entsteht, wenn mal wieder ein Surrogat umgebracht wurde und durch einen neuen ersetzt werden muss. Bei einem Überfall auf zwei Surrogaten entdeckt Polizist Tom Greer (Bruce Willis) allerdings, dass es eine mysteriöse neue Waffe gibt, die nicht nur den Surrogaten, sondern gleich auch den fernsteuernden Menschen dahinter auslöscht.

Auch Greer arbeitet natürlich nicht persönlich, sondern mit Hilfe einen Surrogaten, so dass wir Willis, einmal als “echten” Menschen, unrasiert und glatzköpfig, zu sehen bekommen, und einmal als perfekte Version mit blonder Haarpracht und glatter Haut. Willis Surrogat ist hart im Nehmen, und wenn ihm bei einer Verfolgungsjagd einmal der Arm abgerissen wird und er nach einem Helikopter-Absturz weiter unbeirrt den Tatverdächtigen jagt, erinnert das ganze schon recht eindeutig an die Terminator Filme (von denen Surrogates Regisseur Jonathan Mostow ja auch Teil 3 inszeniert hat).

Irgendwie hat man das alles schon einmal gesehen: böse Konglomerate, die die Gesellschaft mit ihrer neuen Technik beherrschen, unverwüstliche Roboter, die nicht totzukriegen sind, das Wechselspiel zwischen künstlichen Lebensformen und echten Menschen. Aber Surrogates schnürt aus den bekannten Bauteilen ein durchaus unterhaltsames Paket: Einen Sci-Fi Blockbuster, auf Hochglanz produziert, mit herausragenden Schauwerten. Anders als andere Blockbuster erstarrt Surrogates dabei nicht in Effekt- und Actionorgien, die zwei bis drei längeren Actionszenen drängen sich nicht in den Vordergrund oder ersetzen relevante Handlung.

Die Grundidee, das das Leben zu gefährlich ist, um selber das Haus zu verlassen, und man deshalb besser einen Stellvertreter nach draußen schickt, ist gar nicht mal so haarsträubend. In Zeiten von Sicherheitshysterie, “war on terror” und Angst vor ausufernder Kriminalität hätte die Surrogat-Technik vermutlich schnell viele Anhänger. Die Szene, in der Agent Greer das erste Mal wieder als echter Mensch die Straße betritt und von den vermeintlichen Bedrohungen der Alltagswelt ängstlich an den Häuserwänden entlangschleicht, ist eine schöne Metapher auf den aktuellen Sicherheitswahn.

Allerdings ist das Konzept von Surrogates nicht so ganz schlüssig. Am ehesten glaubwürdig ist die Surrogat-Geschichte noch beim Militär, wenn bei einer “Friedensmission” im Feld nur noch Roboter im Einsatz sind, und die eigentlichen Soldaten in einem riesigen Rechenzentrum ihre Avatare fernsteuern - und wenn ein Avatar tödlich getroffen ist, wird einfach der nächste aus dem Truppentransporter aktiviert. Die Zivilgesellschaft hingegen, die nur noch von Avataren bevölkert ist, wirkt weit weniger überzeugend. Bei der Darstellung einer Zivilisation, in der die “echte” Hälfte zuhause in einem Steuerungscomputer sitzt und die andere künstliche Hälfte zur Arbeit geht oder abends in der Disco tanzt, läßt zu viele Ungereimtheiten und offene Fragen zurück, um wirklich glaubwürdig zu sein. Etwa wie die echten Menschen überhaupt überleben können, wenn sie den größten Teil des Tages unbeweglich in der Steuerungskonsole für ihren Avatar dahinvegetieren. Oder warum durch die Surrogate auf einmal die Verbrechensrate drastisch nach unten gegangen ist, man könnte auch das Gegenteil erwarten, da niemand mehr “persönlich” irgendwo einbrechen muss. Auch die Idee von hermetisch abgeriegelten “Reservaten”, in denen die Gegner der Surrogat-Technik sich zurückgezogen haben, um unter “echten” Menschen zu leben, überzeugt nur so mittel (das Reservat hat allerdings was vom Metropolis-turned-Gefängnis aus “Escape from New York”).

Bohrt man nicht allzu sehr in diesen Ungereimtheiten herum und läßt sich auf die Idee von Surrogates ein, ist das ganze solide Sci-Fi-Unterhaltung. Der Show-Down wirkt ein wenig überhastet, führt aber noch zu ein paar netten Szenen, wenn das Surrogat-Netzwerk plötzlich zusammenbricht.

Surrogates (Surrogates - Mein zweites Ich), USA 2009 - deutscher Kinostart: 21.01.2010
7 Punkte


Filmkritik: Avatar (Avatar - Aufbruch nach Pandora)

abgelegt unter: Film von Enk am 19.01.2010

“Hoffentlich wird dieser Mein-Freund-der-Baum Scheiß nachher nicht abgefragt”

James Cameron hat sich lange Zeit gelassen, um nach Titanic seinen nächsten Blockbuster an den Start zu bringen. Schade, dass er die Zeit nicht genutzt hat, um ein vernünftiges Drehbuch zu schreiben. Avatar kommt daher wie eine krude Mischung aus Jurassic Park, Starship Troopers und Der mit dem Wolf Tanzt, und erzählt dabei einen sehr schlichten Plot: Das naturverbundenes Alien-Volk der “Na’vi” wird von den bösen Menschen bedroht, die die Rohstoffe ihres Heimatplaneten schamlos ausbeuten wollen. Ein Soldat, der sich bei den Na’vi einschleichen soll um sie auszuspionieren, verliebt sich dabei in die Tochter des Stammesältesten und freundet sich mit der Welt der Na’vi an … und der Rest der Story verläuft genauso vorhersehbar wie befürchtet.

Die Darstellung der Na’vi beinhaltet dabei in bester Hausfrauen-Ethno-Esoterik so ziemlich jedes Indio/Indianer/Eingeborenen-Klischee das man kennt, und ist weit über die Schmerzgrenze hinaus kitschig und völlig ironiefrei inszeniert. Unfreiwillig komisch wird das ganze, wenn etwa das gesamte Völkchen um einen Leuchtbaum herum singend meditiert um eine Kranke zu heilen (don’t ask) - da gabs mal eine Magnum-Werbung, in der ein Indio-Volk einen Eisriegel anbetet, das kam weniger peinlich rüber. Dieser Ethno-Brei scheint sich - wie der Batzman so schön schreibt - an Leute zu richten, die “ihr Geld freiwillig für Indianer-Häuptlingszitat-Poster, Fantasyplakate mit galoppierenden Einhörnern, vor dem Mond springende Delphine, traurige Harlekine, Panthergipsbüsten, Traumfänger, Räucherkerzen und Walgesangs-CDs ausgeben”.

Man könnte über den schlichten Plot ja noch hinwegsehen, wenn er nicht mit einer solch distanzlosen Ernsthaftigkeit durchgezogen worden wäre: Mit triefendem Pathos aufgeladene unfreiwillig komische Dialoge, Charaktere aus dem Klischeebaukasten, eine Dramaturgie die schon bei Karl May nicht mehr ganz taufrisch war.

Auf der anderen Seite ist Avatar eine Offenbarung: Technisch brillant in Szene gesetzt in einem einzigen Farb- und Lichtrausch, bietet Cameron dem Zuschauer gleich zwei fantastische Bildwelten zum Preis von einer: Zum einen ist da die kühle militärische Sci-Fi Umgebung der Menschen, mit imposanten Kampfmaschinen, Flugeräten und futuristischen Labors (faszinierende Monitore, by the way), ein Traum für jeden Sci-Fi Fan. Zum anderen die farbenfrohe Dschungelwelt der schlumpfigen Naavii, mit filigraner in allen erdenklichen Farben schimmernder Pflanzenwelt bewachsen, und mit allerlei dinosaurierartigem Getier zu Lande zu Wasser und in der Luft bevölkert, atemberaubend visualisiert.

Der visuelle Eindruck wird durch die 3D-Technik noch deutlich imposanter, gerade weil Cameron die 3D-Geschichte nicht mit dem Holzhammer einsetzt: Im Dschungel schwenken sich die Farne in den Raum, flirren die Insekten vor der Leinwand her und saust der Protagonist auf Fuchur einem Flugdrachen in die Tiefe. Es fliegen aber zwecks Effekthascherei nicht ständig irgendwelche virtuelle Gegenstände in den Zuschauerraum, noch sitzt der Zuschauer achterbahnmäßig selber auf dem Flugdrachen. Allerdings überzeugt mich die Technik mit den nervigen Brillen generell noch nicht hunderprozentig. Das was man an räumlicher Tiefe gewinnt, verliert man an Schärfe und Klarheit - zum Rand hin flimmert und verschwimmt der Bildeindruck, und gesund ist das ganze bestimmt auch nicht, wenn einem schon nach den ersten fünf Minuten leicht schwindelig wird.

Die schauspielerische Leistung in Avatar ist schwierig zu bewerten, da die Schauspieler die meiste Zeit unter virtuellen Alien-Kostümen agieren. Das was man von Sam Worthington und Sigourney Weaver sieht, ist aber zumindest solide.

Als Technikdemo ist Avatar absolut beeindruckend, wenn auch in einigen Szenen ein wenig zu aufdringlich und selbstverliebt daherkommend, das schreit manchmal geradezu nach “Guckt mal, das können wir auch”. Auch wenn die Story platt bis ärgerlich ist, zieht einem die Bilderflut über die zweieinhalb Stunden Spielzeit kontinuierlich in den Bann. Der passende Fake-Ethno Soundtrack von James Horner tut dazu sein übriges. Und den fantastische Show-Down hat James Cameron wirklich gut und rasant inszeniert: Ein grandioser Endkampf mit Explosionen, Getöse und allem, was der CGI-Baukasten hergegeben hat, dem man dennoch dramaturgisch jederzeit folgen kann. Eine Tugend, die bei den hektisch geschnittenen Action-Orgien aktueller Superheldenfilme leider keine Selbstverständlichkeit ist.

Avatar (Avatar - Aufbruch nach Pandora), USA 2009 - deutscher Kinostart: 17.12.2009
6 Punkte


Filmkritik: Did You Hear About the Morgans? (Haben Sie das von den Morgans gehört?)

abgelegt unter: Film von Enk am 17.01.2010

(C) Columbia Pictures

“Howdy!”

Ich mag ja Hugh Grant. Auch wenn er mit ganz wenigen Ausnahmen seit Four Weddings and a Funeral immer die gleiche Rolle spielt: die des leicht trotteligen Schönlings, der sich unbeholfen aber gut frisiert in die Herzen der Frauen stottert. In seiner neuen rom-com treibt er es damit aber eindeutig zu weit und wirkt mit seinem penetranten Stottern, Stirnrunzeln und hilflosen Gesten wie eine (schlechte) Parodie auf sich selbst.

Die Story von Did You Hear About the Morgans ist das altbewährte Fish-out-of-Water Prinzip - diesmal: zwei New Yorker Großstadt-Yuppies verschlägt es zu den Rednecks ins tiefste Wyoming. Meryl und Paul Morgan (Sarah Jessica Parker und Hugh Grant), eine erfolgreiche Immobilienmaklerin und ein Rechtsanwalt, stehen kurz vor ihrer Scheidung. Nachdem sie zufällig Zeugen eines Mordes geworden sind, werden sie im Rahmen eines Zeugenschutzprogrammes gemeinsam in die Provinz gebracht, wo sie ohne Handy und Internet nur mit sich, der Natur und den schrulligen Dorfbewohnern beschäftig sind, allen voran dem knorrigen Sheriff-Pärchen, bei dem sie einquartiert sind. In Ray, Wyoming wimmelt von Grizzly-Bären, Cowboy-Hüten und Country Music, und statt mit ihren glamourösen New Yorker Job versuchen sich die Morgans in Schießen, Reiten und Rodeos.

Die Chemie zwischen Parker und Grant stimmt leider überhaupt nicht, was nicht zuletzt am grottenschlechten Grant liegt. Im Vergleich dazu spielt Sarah Jessica Parker geradezu oscarreif. Noch ärgerlicher sind allerdings die Rollen der in New York verbliebenen Assistenten der beiden (Jesse Liebman, Elisabeth Moss), die peinlich überzogen gespielt und komplett unlustig sind. Deutlich symphatischer spielen da schon Sam Elliott und Mary Steenburgen als Dorfsheriff-Pärchen. Die Rednecks werden eh ganz liebevoll gezeichnet, neben einigen eher derben Klischees über die Landbevölkerung erspart sich der Film auch erwartbare Platitüden und läßt die Figuren nicht ganz so eindimensional erscheinen wie anfangs befürchtet.

Insgesamt fehlt es der Geschichte allerdings deutlich an Tempo und Esprit, viele Szenen wirken wie Füllmaterial, bei dem die echten Drehbuchschreiber gerade auf dem Klo waren und die Praktikanten rangelassen haben. Wenn man weiß worauf man sich einläßt und wenig Erwartungen hat, reicht das ganze zumindest noch für 100 Minuten anspruchslos-fluffige Unterhaltung - allerdings muss man dazu schon eine gewisse Grundsymphatie für das Genre und entsprechende Kitschtoleranz mitbringen.

Did You Hear About the Morgans? (Haben Sie das von den Morgans gehört?), USA 2009 - deutscher Kinostart: 07.01.2010
4 Punkte


Filmkritik: Confessions of a Shopaholic (Shopaholic – Die Schnäppchenjägerin)

abgelegt unter: Film von Enk am 14.01.2010

“They said I was a valued customer. Now they send me hate mail.”

Action-Spezialist Jerry Bruckheimer (Fluch der Karibik, Pearl Habor) wagt mit Shopaholic einen Ausflug ins rom-com-Genre. Um auch in diesem Fach einen Blockbuster zu produzieren, wollte Bruckheimer wohl auf Nummer sicher gehen und richtet sich mit einer Geschichte um modefixierte New Yorkerinnen unverhohlen an die große Sex & the City Fangemeinde, die schon erfolgreich mit Devil wears Prada oder (weniger erfolgreich) Love and other Disasters in die Kinos gelockt werden sollte.

Rebecca Bloomwood (Isla Fisher) ist eine mäßig erfolgreiche Journalistin, deren Traum es ist, beim Modemagazin Alette zu arbeiten. Ihre zahlreichen Kreditkarten sind bis ans Limit ausgereizt, weil sie den Auslagen der Modeboutiquen nicht widerstehen kann und gerne mal in einen Shoppingrausch bei Prada oder Gucci verfällt. Um ihre Rechnungen begleichen zu können, bewirbt Sie sich notgedrungen bei einem Wirtschaftsmagazin, wo sie auch tatsächlich genommen wird. Obschon sie von Wirtschaft keine Ahnung hat und ihre eigenen Finanzen nicht im Griff hat, darf sie nun als Kolumnistin Wirtschaftstipps geben. Selbstverständlich hat das Wirtschaftsmagazin auch einen gutaussehenden Chefredakteur (Hugh Dancy), den es zu erobern gilt. Und natürlich gibt es auch eine biestig-intrigante Nebenbuhlerin (Leslie Bibb), die es auszuschalten gilt. An Rebeccas Seite steht natürlich eine beste Freundin (Krysten Ritter), mit der es kurz vor dem Happy End natürlich noch zu einem Zerwürfnis kommt.

Klingt danach, als ob hier kein Klischee ausgelassen wird? Genau so ist es. Die formelhafte Story wird komplett vorhersehbar runtergespult. Positiv formuliert könnte man Shopaholic zumindest eine leichtfüßige Inszenierung zugestehen, leider gerät dieses leichtfüßige oft auch ins dümmliche.

Zwischenzeitlich blitzt dann doch einmal für eine feelgood-Komödie erstaunlich offene Kritik an Markenfetischismus und Konsumfixierung auf, etwa wenn der vermeintliche Luxus-Kaschmirmantel sich zuhause beim Blick auf das Etikett nur als Plastikware aus chinesischer Massenproduktion herausstellt. Oder die Protagonistin erkennt, dass das Gerede vom “valued customer” und die Freundlichkeit der Verkäuferinnen sofort in Eiseskälte erstarrt, wenn die Kreditkarte nicht mehr gedeckt ist. Selbstverständlich bleibt die Sozialkritik schön verträglich dosiert, um den fluffigen rom-com Plot nicht weiter zu stören.

Isla Fisher (u.a. The Lookout) spielt ihre schablonenhafte Rolle sogar ganz amüsant. Kristin Scott Thomas als blasierte Chefredakteurin des Modemagazins wirkt hier allerdings nur wie ein Abziehbild von Meryl Streeps Rolle in Devil wears Prada.

Confessions of a Shopaholic (Shopaholic – Die Schnäppchenjägerin), USA 2009 - deutscher Kinostart: 12.03.2009
4 Punkte


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