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Filmkritik: Night at the Museum: Battle of the Smithsonian (Nachts im Museum 2)

abgelegt unter: Film von Enk am 02.07.2009
museum2
(C) 20th Century Fox

“Was ist dieser Würfel des Rubik - was kann der?”

Die eher schlichte Familienkomödie Nachts im Museum war 2006 ein Überraschungserfolg, der bei eher durchschnittlichem Budget von 110 Millionen Dollar über eine halbe Milliarde Dollar eingespielt hat und damit auf Platz 50 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten gelandet ist. Nicht verwunderlich, dass da schnell ein Sequel her musste, um die Kuh weiterzumelken. Regisseur Shawn Levy, der schon Teil 1 verantwortete, hat mit “Battle of the Smithonians” eine klassische Fortsetzung gedreht, die das Erfolgsprinzip nicht neu erfindet sondern die Geschichte einfach noch etwas größer und bunter weiterdreht.

Larry ist mittlerweile vom Nachtwächter zu einem erfolgreichen Unternehmer geworden. Sein altes Museum wird modernisiert, so dass die alten Exponate, die nachts heimlich zum Leben erwachen, ausgemustert und ins Archiv nach Washington verschickt werden sollen. Im Smithonian, dem “größten Museum der Welt”, geht das Abenteuer allerdings weiter, da auch die ägyptische Tafel, die die Exponate zum Leben erweckt, mit nach Washington gelangt. Dort erwartet die Protagonisten aus Teil 1 eine unfreundliche Begrüßung: Der große Gegenspieler ist diesmal Kah Mun Rah (sehr amüsant: Hank Azaria), der Bruder des Pharaos aus dem ersten Teil. Er verbündet sich mit den anderen Oberfieslingen im Museum, namentlich Iwan dem Schrecklichen, Napoleon Bonaparte und Al Capone. Die bedrängten Museumsfiguren wenden sich an Larry, der sich im Kampf gegen die Bösen wiederum ein paar historische Figuren wie einen steinernen Abraham Lincoln, General Custer (Bill Hader) und als weiblichen Sidekick Amelia Earhart (Amy Adams) sucht.

Man merkt deutlich, dass die Macher unbedingt noch einen draufsetzen wollten: Diesmal werden nicht nur historische Figuren, Dinosaurier oder Zinnsoldaten zum Leben erweckt, sondern auch Kunstgegenstände wie der Balloon Dog von Jeff Koons oder Bilder von Edward Hopper und Roy Lichtenstein. Larry kann direkt in die Bilder springen und sich dann etwa zum VJ Day auf die Siegesparade von 1945 begeben (natürlich in passend in schwarz-weiß). Schon Teil 1 hat ganz erheblich von den beeindruckenden Trickeffekten gelebt, die die Museumsfiguren zum Leben erweckt haben. Auch Teil 2 setzt voll auf die CGI-Karte. Die Tricktechniker haben wieder eine Reihe wirklich netter Ideen gehabt: So erwachen etwa auch drei Putten auf einem Marmorbrunnen zum Leben und rocken mit ihrer Harfe los (verkörpert von den US-Kinderstars Jonas Brothers). Al Capone und seine Ganoven wandern hingegen stilecht in schwarzweiß durch die farbige Szenerie. Und zum Dechiffrieren eines Codes wendet sich Larry an eine Reihe Spielzeug-Wackelkopf-Einsteins, sehr niedlich animiert und synchronisiert. Und als Cameos dürfen schließlich auch noch Oscar aus der Sesamstraße und Darth Vader (”why the cape? Are we going to the opera?”) auftreten. Alles ein bisschen viel und sehr überdreht.

Die ganzen Gimmicks sorgen dafür, dass das ganze noch ein wenig abstruser und over the top ist als Teil 1. Dazu ist das Timing ein wenig holprig und die Story dient eher dem losen Überleiten von einer Pointe zur nächsten. Der orchestral-bombastischer Soundtrack von Alan Silvestri passt allerdings sehr gut zum bunten Treiben auf der Leinwand.

Ich mag Ben Stiller ja eigentlich nicht, aber in diesen überdrehte Film ist er perfekt als ruhender Pol zwischen all den überzeichnet-karikierten Figuren. Night at the Museum 2 ist wieder big budget family entertainment, kurzweilig und jugendfrei. Und doch haben die Macher es geschafft, ab und zu ein paar subversive Späßchen einzubauen, wie etwa eine wirklich sehenswerte Reminiszenz an das blutdrünstige Schlachtepos 300.

Night at the Museum: Battle of the Smithsonian (Nachts im Museum 2), USA, Kanada 2009 - deutscher Kinostart: 21.05.2009
6 Punkte


Filmkritik: Che: Part One (Che - Revolucion)

abgelegt unter: Film von Enk am 30.06.2009
che

(C) IFC Films

“Was ist das für ein Gefühl, ein Symbol zu sein?”

Che Guevara ist neben Nike und Mickey Mouse wohl weltweit das am meisten verkaufte T-Shirt-Logo. Und ganz ähnlich wie bei Nike und Disney wissen die meisten T-Shirt-Träger auch bei Che gar nicht so genau, was eigentlich dahinter steckt, sondern verbinden die Marke eher diffus mit Sportlichkeit und Athletik Revolution, Gerechtigkeit und dicken kubanischen Zigarren.

Dabei hat Hollywood immer mal wieder versucht, Licht ins Dunkel der Geschichte zu bringen, schon 1969 durfte Omar Sharif die Lebensgeschichte von Ernesto Guevara de la Serna - oder für Freund kurz “Che” - auf die Leinwand bringen (was in meiner jugendlichen Erinnerung gar nicht so schlecht gelungen war, aber für die Mitgliedschaft in der Liste der 50 schlechtesten Filme aller Zeiten gereicht hat). Zuletzt hat gar ein kleiner Motorrad-Trip Ches durch Südamerika gereicht, um daraus 2004 einen abendfüllenden Film zu machen.

Benicio del Toro war das alles nicht genug, mit dem Zweiteiler “Che- Revolucion” und “Che - Guerilla” wollte er die Mutter aller Che-Filme erschaffen. Zugleich als Hauptdarsteller und Produzent hat del Toro angeblich die letzten Jahre zusammen mit Regisseur Steven Soderbergh damit zugebracht, alle Überlebenden von damals zu treffen, alle Originalschauplätze anzuschauen und alle historischen Quellen zu sichten, um eine historisch korrekte Biographie abzuliefern.

Nun also zunächst Teil 1 der Saga - die Beteiligung Ches an der kubanischen Revolution (Teil Zwei über Ches Guerilla-Kampf in Bolivien kommt im Juli 2009 in die Kinos).

Der Film fängt angestrengt dokumentarisch an und springt wild zwischen den Jahrzehnten hin- und her: Eine große Karte von Kuba, Batistas Machtergreifung, ein Interview mit Guevara Jahre später nach der erfolgreichen Revolution, dann wieder zurück zu den Anfängen von Castro und Guevara in Mexiko. Und weiter vorwärts in den Guerilla-Kampf auf Kuba. Im weiteren Verlauf wird die Darstellung des Guerilla-Kampfes immer wieder unterbrochen von halbdokumentarischen schwarz-weiß-Szenen aus Ches New York Reise acht Jahre später. Das ganze hin- und her wirkt extrem bemüht, ohne dass die Geschichte dadurch verständlicher würde.

Die zugrundeliegende Geschichte hätte genügend Material gegeben für eine spannende mitreissende Handlung, aber der Film verzettelt sich in Details und wirkt streckenweise wie eine lose Aneinanderreihung von Szenen ohne roten Faden. Es ist leider nicht der - wie einige Kritiken bemängelte - sozialistische Rambo geworden, sondern ein ziemlich langatmiges Biopic. Erst mit dem großen Showdown in Santa Clara im letzten Viertel des Films kommt ein wenig Spannung auf, wenn auch äußerst hölzern inszeniert, um dann sehr abrupt, fast mit einem Cliffhanger, zu enden: Die Ankunft der siegreichen Rebellen in Havanna wird dem Kinobesucher vorenthalten, weiter geht es dann in Teil Zwei.

Auch die schauspielerische Leistung ist eher halbgar, so wirkt Demián Bichir als Fidel Castro wie die Karikatur eines leicht größenwahnsinnigen Anführers, wild gestikulierend und mit wirrem Blick. Auch zahlreiche Nebendarsteller wirken teilweise wie aus einer Laienspielgruppe verpflichtet. Etwas überzeugender ist Benicio Del Toro als Che, dessen Figur aber bedingt durch das konfuse Skript auch arg blutleer bleibt.

Ebenso ärgerlich ist die apologetische Verklärung Ches als großen Revolutionär, der in Wirklichkeit nicht davor zurückschreckte, junge Weggefährten wegen kleinster Vergehen hinrichten zu lassen. Che der Held, der sich aufopfernd um Verwundete kümmert oder die Dorfbewohner medizinisch versorgt und dafür seine eigenen Ambitionen zurückstellt. Che der strenge aber gerechte Anführer, der für seine Soldaten da ist. Che, der auch mal selbst zur Panzerfaust greift, wenn sein Kamerad zweimal das Ziel verfehlt (und selbst natürlich sofort einen Volltreffer landet). Che, der den ungebildeten Guerilleros Lesen und Schreiben beibringt. Die Hinrichtungen in den eigenen Reihen sind zwar auch ein Thema, aber der Film läßt keinen Zweifel daran, dass hier die richtigen zu Tode gekommen sind. Und die Rechtfertigung dazu darf Che dann auch noch passenderweise selbst geben, in einer nachgestellten Rede vor der UN.

Interessanterweise hat diese Revolutionsverklärung selbst im Mutterland der Revolution keinen rechten Anklang gefunden. Das offizielle kubanische Blatt “Granma” (ja, heißt wirklich so) befand die Person des Fidel Castro als nicht mit der nötigen Tiefe dargestellt (die englische Version der Rezension ist nicht mehr online, wer spanisch kann, hier weiter). Und Fidel Castro selbst trägt auch keine Che-T-Shirts, sondern lieber Adidas.

Wer die Ereignisse der kubanischen Revolution ein wenig mitreissender und atmosphärisch dichter erleben will, dem sei statt Soderberghs Werk eher “Havanna” mit Robert Redford ans Herz gelegt - hier allerdings nicht aus der Perspektive der Guerillakämpfer, sondern aus der eines dekadenten amerikanischen Glücksspielers erzählt.

Che: Part One (Che - Revolucion), USA, Frankreich, Spanien 2008 - deutscher Kinostart: 11.06.2009
2 Punkte


Aus gegebenem Anlass…

abgelegt unter: Musik von Enk am 26.06.2009



Filmkritik: Let’s make Money

abgelegt unter: Film von Enk am 25.06.2009

“Lassen Sie ihr Geld arbeiten!”

Wie fängt man wohl einen Film an, der Let’s make Money heißt? Genau: mit Bildern aus der Gelddruckerei, wo Bogen um Bogen frische Geldscheine aus der Presse laufen. So schlicht und vorhersehbar geht es dann leider auch weiter im Essay-Film des Österreichers Erwin Wagenhofer. Wagenhöfer versucht mit plakativen Mitteln, die komplexen Zusammenhänge der globalisierten Wirtschaft auf einen einfachen Nenner zu bringen, und die katastrophalen Auswirkungen der Globalisierung auf die Menschen zu demonstrieren.

Wie schon bei seinem letzten Werk We feed the world kommt Wagenhöfer ohne Off-Sprecher aus - wenn die Dokumentarszenen nicht für sich selbst sprechen, wird per Einblendung die Message verkündet: Wir sehen z.B. eine Goldmine in Ghana, begleiten das Gold bis in die Schweiz, wo es in Barren gegossen wird. Die Szene endet mit der Einblendung “Verteilung: 3% für Afrika, 97% für den Westen”. Was genau diese 3% sind, wer “Der Westen” ist, etc., darf sich der Zuschauer selbst zusammenreimen, allzuviel Differenzierung und Sachlichkeit darf man hier nicht erwarten. Die Argumentation ist schlicht und stark vereinfachend. Dafür wartet Let’s make Money mit einer Reihe bemerkenswerter Szenen rund um den Globus auf, von riesigen leerstehenden Wohnanlagen in Spanien, indischen Fabriken inmitten von Slums oder ausgetrockneten Baumwollfeldern in Burkina Faso, und zeigt entlarvende Interviews von Protagonisten wie dem Finanzminister der Steueroase Jersey oder einem Fondsmanager in Singapur, die in überraschender Offenheit ohne einen Hauch von Selbstkritik über ihr Treiben reflektieren.

Gedreht wurde Let’s make Money, bevor die Finanz- und Wirtschaftskrise in voller Wucht ausgebrochen ist. Viele der hier gezeigten Aussagen sind rückblickend nicht ohne Ironie. Dennoch hat auch Wagenhofer die Entwicklung nicht kommen sehen: Er prangert hier weniger an, dass die globale Wirtschaft auf einer gigantischen Blase gebaut worden ist, die zu platzen droht. Es geht ihm um die moralisch fragwürdigen Methoden der globalisierten Wirtschaft, nicht um die rückblickend auch ökonomische Fragwürdigkeit des ganze Systems. Insofern ist seine zu kurz greifende Kritik mittlerweile von der Realität überholt worden. Die Globalisierung ist nicht (primär) aufgrund ihrer moralischen Fragwürdigkeit aus der Bahn geraten, sondern weil die zugrundeliegenden ökonomischen Prinzipien dauerhaft nicht funktioniert haben.

Wenn man die Prämisse akzeptiert, dass Let’s make Money kein abwägender Dokumentarfilm sein will sondern eine klar Stellung beziehende Polemik, ist der Film durchaus sehenswert. Allerdings ist die Argumentation hier bei weitem nicht so überzeugend wie im Vorgänger We feed the World. Nicht zuletzt, weil die hier geschilderten Auswüchse des globalen Kapitalismus durch die Wirtschaftskrise mittlerweile schon zu oft durch die Medien gegangen sind, als dass Wagenhöfer hier noch wirklich überraschen kann.

Let’s make Money, Österreich 2008, deutscher Kinostart: 30.10.2008
5 Punkte


Piraten!

abgelegt unter: Internet von Enk am 19.06.2009

Sie haben es geschafft. Nach knapp 15 Jahren trage ich mich ernsthaft wieder mit dem Gedanken, einer Partei beizutreten. Mit Vorratsdatenspeicherung (”Stasi 2.0“) usw. hab ich mich ja noch resignierend abgefunden, aber mit dem jetzt beschlossenen Internet-Zensurgesetz ist eindeutig eine Grenze überschritten worden. Rene, Thomas, Anke oder Frank haben schon sehr gut auf den Punkt gebracht, welche Ignoranz und Missachtung demokratischer Grundsätze CDU und SPD mit diesem Gesetz bewiesen haben, deshalb will ich hier auf die Unsinnigkeit und Gefährlichkeit des Gesetzes gar nicht näher eingehen.

Es bleibt abzuwarten, ob die Aufregung in der Internet-Community, die derzeit ein wenig überkocht, bis zur Bundestagswahl anhält, und 500.000 Multiplikatoren, die man nun gegen sich aufgebracht hat, ausreichen, um einen Achtungserfolg bei der Wahl zu erzielen. Im Moment kann ich mir das sehr gut vorstellen.

Unterstuetzer


Wozu Twitter wirklich gut ist

abgelegt unter: Internet von Enk am 15.06.2009

Wenn man den Auftritt der Simple Minds bei Wetten dass sehen will, ohne dafür drei Stunden Gelaber von Thomas Gottschalk in Kauf zu nehmen, ist das gar nicht so einfach. Den genauen Programmablauf findet man leider weder in der TV-Zeitschrift noch auf der ZDF-Internetseite. Da heißt es also entweder den ganzen Abend hin- und herzappen. Oder einfach auf search.twitter.com nach “Simple Minds” suchen, und pünklich zum Beginn des Auftritts von den entsprechenden Tweets erinnert werden.

twitterminds

Man braucht noch nicht mal alle 10 Sekunden auf Refresh zu klicken, Twitter teilt automatisch auf der Seite mit, wenn es neue Tweets zur aktuellen Suche gibt.

In diesem Fall zwar nur eine Spielerei, es zeigt aber, was das qualitativ wirklich neue an Twitter ist - Informationen über Gott & die Welt kommen jetzt nicht mehr täglich oder mit stündlicher Aktualisierung, sondern nahezu in Echtzeit (ganz im Gegensatz übrigens zu Jim Kerr, der beim Vollplayback zu “Don’t you forget about me” mit seinen Lippen ein wenig dem Sound hinterherhinkte).


Filmkritik: Angels and Demons (Illuminati)

abgelegt unter: Film von Enk am 12.06.2009

“Faith is a gift that I have yet to receive.” - ein wenig naiver Glaube kann allerdings bei diesem Drehbuch nicht schaden

Es ist ein Vorteil, die Romanvorlage für Angels und Demons zu kennen, bevor man den Film anschaut. Nicht etwa, weil die Story so komplex ist, dass man sie sonst nicht verstehen würde. Sondern weil man dann weiss, auf was für eine konstruierte und hanebüchene Geschichte man sich einläßt. Für den unbedarften Kinobesucher mag die bunte Collage aus Science-Fiction, (Kirchen-)Historie und Verschwörungstheorien zu grotesk und unglaubwürdig wirken, um sich auf die rasante Schnitzeljagd durch Rom einzulassen, die der Film bildgewaltig inszeniert. Wenn man aber weiss, was da auf einen zukommt, kann man die opulenten Schauwerte des Films durchaus genießen. Dabei hat Regisseur Ron Howard die abstrusesten Szenen des Buches sogar herausgelassen, etwa wenn Protagonist Robert Langdon in MacGywer-Manier aus einem Hubschrauber springt und statt Fallschirm nur ein Stück Stoff braucht, um sicher im Tiber zu landen. Aber auch ohne diese Comic-Einlagen hat der Film um Anti-Materie, Freimaurer, geheimnisvolle Zeichen und historische Verwicklungen noch genug an fantastischen Storyzutaten beisammen:

Der Havard Professer Robert Langdon (Tom Hanks) wird vom Vatikan um Hilfe gebeten, weil eine Gruppe von Kardinälen entführt worden ist. Kurz vor der Wahl des neuen Papstes drohen die Entführer, jede Stunde einen Kardinal zu töten, und schließlich den ganzen Vatikan auszulöschen. Die Entführer nutzen Symbole und Pläne der mittelalterlichen Verschwörertruppe der Illuminaten, und Experte Langdon soll ihre Pläne rechtzeitig entschlüsseln, um sie zu vereiteln. An seiner Seite ist die unvermeidlich attraktive weibliche Hauptrolle Vittoria Vetra (Ayelet Zurer), eine Wissenschaftlerin des CERN, die auf der Suche nach einem gestohlenen Behälter mit Antimaterie ist.

Die Figuren haben - bedingt durch die triviale Romanvorlage - eine sehr überschaubare Tiefe, aber der solide Cast (u.a. Ewan McGregor und Armin Müller-Stahl) macht das beste daraus. Vor allem Tom Hanks spielt den Robert Landgon mit dem nötigen Augenzwinkern, das die streckenweise eher comichafte Dramaturgie erfordert.

Anders als im ersten Teil “Da Vinci Code”, der durch ständig wechselnde Schauplätze und hektische Szenenwechsel sehr unausgegoren wirkte, hat Howard hier das Timing deutlich besser im Griff. Die rasante Jagd durch die historischen Stätten Roms wirkt deutlich fokussierter und langweilt trotz 138 Minuten Spielzeit nicht. Trotz fehlender Drehgenehmigung im Vatikan hat man die Originalschauplätze beeindruckend real auf die Leinwand programmiert, nur der eine oder andere Schwenk über den Petersplatz wirkt ein wenig künstlich. Hans Zimmer hat dem ganzen einen gewohnt bombastischen Soundtrack auf den Leib geschneidert, was zu der auf Effekte und Schauwerte angelegten Dramaturgie gut passt.

Routinierte Blockbuster-Unterhaltung, die deutlich besser gelungen ist als der erste Teil.

Angels and Demons (Illuminati), USA 2009 - deutscher Kinostart: 13.05.2009
7 Punkte


Filmkritik: Rachel getting married (Rachels Hochzeit)

abgelegt unter: Film von Enk am 04.06.2009

“Everybody in the house is looking at me like I’m a visiting sociopath”

Anne Hathaway hat das Problem vieler erfolgreicher Hollywood-Stars: Berühmt geworden durch seichte Komödien wie Plötzlich Prinzessin oder Der Teufel trägt Prada, möchte sie neben der großen Bekanntheit auch als “ernsthafte” Schauspielerin wahrgenommen werden, die mehr kann als gut auszusehen. Nach einer Rolle im oscar-gekrönten Brokeback Mountain und der Jane Austen Biografie Becoming Jane versucht sie in “Rachel getting married”, mit der Rolle eines psychisch labilen Ex-Junkie ihr schauspielerisches Profil zu schärfen.

Kym (Anne Hathaway) kommt aus der Entzugstherapie zurück ins Elternhaus zur Hochzeit ihrer Schwester Rachel (Rosemarie DeWitt, die ein wenig wie die jüngere Schwester von Maybrit Illner aussieht). Bei einer Sitzung der anonymen Alkoholiker trifft sie Kieran (Mather Zickel, der wie der jüngere Bruder von George Clooney wirkt), der sich kurze Zeit später als Trauzeuge des Bräutigams herausstellt. Doch was nach einer schlicht gestrickten Liebesgeschichte klingt, entwickelt in Folge sich zu einem komplexen Familiendrama mit ungewissem Ausgang. Die Familie ist mitten in den Festvorbereitungen und bereitet alles für eine harmonisch-perfekte Hochzeitsfeier vor. Aber schnell wird klar, dass Kym in diese heile Welt nicht reinpassen will, und die Party zu ruinieren droht.

Die Bilder der Hochzeitsvorbereitungen strahlen eine erstaunliche Authentizität aus, es gelingt Regisseur Jonathan Demme, viele Szenen wie einen Videomitschnitt einer wirklichen Feier wirken zu lassen, so unaufgeregt und echt wirken die Einstellungen, nicht zuletzt durch das unprätentiöse Spiel der durchweg guten Schauspieler, gerade in den Nebenrollen. Aber über den Bilder der ausgelassenen Feier schwebt immer die Ahnung, dass das ganze schnell in ein Drama umkippen kann, wenn alte Konflikte wieder aufbrechen, und die psychisch instabile Kym sich nicht in das Korsett der trauten Familie zwängen lassen will. Wenn Väter, Schwiegerväter und Trauzeugen launige Ansprachen halten baut sich eine beklemmende Spannung auf, weil klar ist, dass auch Kym eine Rede halten wird, die vermutlich nicht ganz den heiteren Rahmen der Veranstaltung trifft.

Dokumentarstil mit unruhiger Handkamera und ungefilterter Geräuschkulisse wirkt ja oft ein wenig bemüht arthousey. Hier ist das ganze aber mal nicht aufgesetzt, sondern sehr passend für die Geschichte. Man sieht der Partygesellschaft minutenlang beim Feiern und Tanzen zu, ohne dass storytechnisch etwas relevantes passiert. Was umso mehr die Illusion unterstützt, man sehe hier ein selbstgedrehtes Hochzeitsvideo und nicht einen Spielfilm. Jonathan Demme schafft es dabei, das ganze trotz unfokussiertem Timing und starker Dialoglastigkeit nie langweilig werden zu lassen, die Geschichte ist atmosphärisch äußerst dicht inszeniert.

Wohltuend unaufgeregt und erfrischend wird hier das Thema “interracial marriage” ausnahmsweise mal ganz beiläufig und unproblematisiert gezeigt wird - die Tatsache, dass die weiße Rachel den schwarzen Sydney heiratet, beutet Demme nicht für die vorhersehbaren politisch korrekten oder provozierenden unkorrekten Statements aus. Überhaupt wimmelt es in dem Film vor Multi-Kulti, ohne dass das aufgesetzt wirkt oder einen entscheidenden Einfluß auf die Story hätte. Der Soundtrack reicht von Soul über britischen Folk-Rock bis hin zu lateinamerikanischen Rhythmen, Einige Musiker dürfen ihre Songs auch gleich selbst im Film als Wedding Singer präsentieren, etwa der britische Singer/Songwriter Robyn Hitchcock, Jazz-Musiker Donald Harrison oder die jamaikanische Reggae-Sängerin Sister Carol. Cameo-fixierte Cineasten können unter den Hochzeitsgästen übrigens auch B-Movie Regisseur Roger Corman entdecken.

Anne Hathaway hat sich sicher sehr bewußt die Rolle des psychisch auffälligen kettenrauchenden Ex-Junkie entschieden, die so gar nicht in ihre übliche Komödiebesetzung passt. Und sie macht ihre Sache erstaunlich gut, entgeht der Gefahr des over-acting, der so viele Schauspieler erliegen, die psychisch auffällige Charaktere mimen sollen. Sie verkörpert die instabile Rachel absolut glaubwürdig und intensiv, mit der richtigen Balance aus Dramatik und Zurückgenommenheit.

Die Konflikte und Zerwürfnisse in der Geschichte sind nicht gerade rasend originell - ein tragischer Unfall, der durch Kym verschuldet wurde, die Schwester, die auf die Zuwendung der Eltern neidisch ist, die Töchter, die mit der Scheidung der Eltern klarkommen mussten. Aber diese eher schlichten Muster werden sehr glaubwürdig und authentisch verpackt, ohne allzu trivial aufgelöst zu werden. Überhaupt ist das ambivalente Ende ein würdiger Abschluß der Geschichte, das ohne dramatische Zuspitzung auskommt.

Trotz aller Melodramatik kommt Rachel Getting Married nicht die ganze Zeit über bleischwer daher, sondern hat viele leichte Momente und heitere Szenen, etwa ein Wettstreit zwischen Vater und Schwiegersohn um das richtige Einräumen der Spülmaschine( “i think your problem is mainly in lid placement… it’s kind of old school”). Die Spannung wird immer wieder daraus gezogen, ob und wann die Stimmung mal wieder kippt und die dunkle Seite der Familiengeschichte in den Vordergrund bricht.

Rachel getting married (Rachels Hochzeit), USA 2008 - deutscher Kinostart: 2.4.2009
9 Punkte


Filmkritik: Changeling (Der fremde Sohn)

abgelegt unter: Film von Enk am 25.05.2009

“I just want my son.”

Los Angeles in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts: Die alleinerziehende Christine (Angelina Jolie) arbeitet als Schichtleiterin in einer Telefongesellschaft. Als sie eines Abends nach Hause kommt, ist ihr neunjähriger Sohn Walter verschwunden. Fünf Monate später findet die Polizei einen Jungen, auf den die Beschreibung passt und der sich als Walter ausgibt. Nur erkennt Christine dieses Kind nicht als ihren Sohn an, so sehr Polizei und Behörden sie auch vom Gegenteil überzeugen wollen.

Anfangs sieht es so aus, als wenn der Film in den folgenden zwei Stunden sehr vorhersehbar die naheliegende Geschichte runterspulen wird: Eine resolute Frau, die gegen alle Widerstände für ihren Sohn kämpft und am Ende gewinnt. Und größtenteils kommt es auch so, allerdings befreit sich die Story in den über 140 Minuten Spielzeit aus dem engen Korsett des “vertauschter Sohn”-Motivs. Es geht um Korruption und Filz in der Polizei, um ein schreckliches Verbrechen, um Gerichtsverfahren und engagierte Plädoyers, um Todesstrafe und gruselige psychatrische Anstalten. Zwischenzeitlich verliert das ganze ein wenig den Fokus, die Vielzahl an Handlungssträngen und Nebenschauplätzen sorgt aber dafür, dass das ganze nicht so vorhersehbar und langweilig wird, wie die ersten Minuten befürchten lassen.

Das Storygerüst klingt sehr konstruiert, beruht aber auf wahren Begebenheiten. Was der Film gut macht ist bis zum Schluß offenzuhalten, ob es ein wirkliches Happy End gibt, trotz aller frühzeitigen Indizien für das Gegenteil.

Die schauspielerische Leistung ist durchweg solide, Angelina Jolie wird ihrer Rolle erstaunlich gerecht, und spielt die kämpferische Christine wohltuend zurückhaltend. Erstaunlich zurückgenommen diesmal auch John Malkovitch als Reverent Briegleb, der Christine zur Seite steht, während auf der Gegenseite Jeffrey Donovan als aalglatter Polizist J.J. Jones überzeugt. Ein wenig over the top, aber immer noch sehenswert Jason Butler Harner als nicht ganz zurechnungsfähiger Bösewicht. Die Ausstattung ist Eastwood-untypisch sehr aufwändig, die historischen Straßenzüge von Los Angeles sind sehenswert in Szene gesetzt und es wurde viel Wert auf epochengerechte Garderobe gelegt- schönes Ausstattungskino also.

Wie immer neigt Regisseur Clint Eastwood nicht zu subtiler Story- und Charakterzeichnung sondern bevorzugt plakative Farben: ob es um Zwangsmaßnahmen in der Psychatrie oder Hinrichtungsszenen geht, wenn er die Wahl hat zwischen feiner Differenzierung oder Dramatik und Emotion, entscheidet er sich immer für letzteres, zum Glück ohne dabei zu platt oder einfältig zu werden und das ganze in Pathos zu ersticken.

Changeling (Der fremde Sohn), USA 2008, deutscher Kinostart: 22. Januar 2009
6 Punkte


Im Rausch der Tiefe - die Rückkehr der Shutterbrille

abgelegt unter: Spiele von Enk am 20.05.2009
3d

Es war der Hintern von Lara Croft. Ich würde ja gerne behaupten, dass es die physikalisch beeindruckenden Hochhausschluchten in Mirror’s Edge waren, der plastisch vorbeiziehende Straßenverlauf in Burnout Paradise, oder die räumlich differenzierten Lichteffekte in Left 4 Dead. Aber erst die Ansicht der leichtbekleideten Archäologin in Tomb Raider Underworld, wie sie in faszinierender Tiefenschärfe durchs Wasser schwimmt oder fast greifbar an Höhlenwänden klettert, hat mich überzeugt, dass ich hier nicht nur einen netten Gimmick sehe, sondern vermutlich die Zukunft des Computerspiels. Dabei ist das ganze nicht mal neu: Samsung hatte zur Vorstellung einer neuen 3D-Spieletechnik eingeladen - Grafikkarte und Monitor, die abwechselnd je ein Bild für das linke und das rechte Auge erzeugen, sowie eine Shutterbrille, die zum passenden Zeitpunkt das jeweils andere Auge abdunkelt. Versuche dieser Art, 3D-Grafik am Computer zu etablieren hat es schon früher gegeben, mit klobig-flimmernden Brillen, die nach kurzer Zeit Kopfschmerzen erzeugen. So ganz unkompliziert ist das bis heute nicht geblieben. Auch jetzt wird immer noch eine Brille benötigt, nur dass die mittlerweile sehr leicht und sogar ganz schick ist, mit Mini-Akku und USB-Anschluß. Man sieht ein wenig aus wie Stevie Wonder am Piano, wenn man damit vorm Rechner sitzt. Aber zumindest ist das ganze - einmal eingerichtet - sehr einfach und narrensicher zu bedienen, und mittlerweile absolut praxistauglich. Und auch wenn ich noch nicht hundertprozentig überzeugt bin, dass das schnelle Auf und Zu der Brillen auf Dauer gesund ist, Kopfschmerzen hatten sich auch nach ein paar Stunden Ausprobieren noch nicht eingestellt.

Das Investment ist,vorausgesetzt man hat eh eine moderne nVidia Karte, und will sich sowieso einen neuen LCD zulegen, überschaubar: der 120 Hertz-fähige Samsung Monitor kostet mit knapp 350 EUR einen guten Hunderter mehr als ein vergleichbarer nicht-3d-fähiger, was durch den Preisverfall auch nicht teurer ist als noch vor zwei Jahren ein herkömmlicher LCD gekostet hätte. Die Geforce 3d Vision Brille von nVidia schlägt nochmal mit etwa 150 EUR zu Buche. Was die Spiele angeht, ist man nicht auf speziell dafür programmierte Spiele oder angepasste Versionen angewiesen - die Technik funktioniert mit einer ganzen Reihe aktueller und älterer Software, von Ego-Shootern über Rennspiele bis zu World of Warcraft.

Spielerisch bringt das ganze (zur Zeit) noch keinen Mehrwert, sondern ist in erster Linie Eye Candy. Eher im Gegenteil, da die Berechnung von zwei stereoskopen Bildern auf die Rechenleistung geht und damit die Framerate nach unten zieht. Aber wenn sich die Technik durchsetzt, ist zu erwarten, dass Spieledesigner den neuen Gestaltungsspielraum für speziell angepasste Effekte nutzen - was da so möglich ist, konnte man an ein paar Demos mit animierten nVidia-Logos oder aus dem Monitor spuckenden Monstern erahnen.

Würd mich nicht wundern, wenn wir die Technik in einer der nächsten Konsolengenerationen zu sehen bekommen - 3d-Sicht und Wiimote Motion Control wären eine prima Ergänzung.

Weitere Meinungen zur neuen 3D-Spieletechnik gibts beim Endoflevelboss und demnächst auch bei Polyneux. Auf dem Bild vor dem Monitor zu sehen sind übrigens die Gamer Girls, die im echten Leben gar nicht so nerdig aussehen wie man meinen sollte.


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